Infos zur Schließung des Hamannstifts



Aus "Unsere Kirche" Nr. 8 / 19. Februar 2006:

Von Dorothee Kolnsberg

Hoffen bis zum Schluss

- Studentenwohnheim Hamannstift in Münster endgültig vor der Schließung

Enttäuschung macht sich breit im Studienhaus Hamannstift. „Wohnen im Herzen von Münster“ ist hier ab dem ersten April für Studierende nicht mehr möglich. Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen hat entschieden, das Haus für 3,35 Millionen Euro zu verkaufen. „Der Erlös aus dem Verkauf dient der Sanierung, dem Um- und Ausbau der landeskirchlichen Tagungsstätte Haus Villigst in Schwerte“, verlautet es aus dem Landeskirchenamt.

Zwar waren die Bewohner bereits vor einem Jahr über die Schließungspläne informiert worden. Aber bis zuletzt hatten sie auf eine glückliche Wendung gehofft. Der im Januar 2005 gegründete „Freundeskreis des Studienhauses Hamannstift e.V.“ setzte sich für den Erhalt des Wohnheims ein. Nachdem die Landeskirche den Entschluss zum Verkauf gefasst hatte, versuchte man, mit möglichen Investoren ins Gespräch zu kommen. Vergeblich: Die Firma CM Capital Management GmbH schloss jegliche Weiterführung des Hamannstifts als Wohnheim aus.

Den Zuschlag für die neue Besitzerin kommentiert Herbert Lemke, Schatzmeister des Freundeskreises und ehemaliger Geschäftsführer des Ev. Krankenhauses Münster: „An der Wahl des meistbietenden Interessenten seitens des Landeskirchenamtes kann man nichts kritisieren, nur die grundsätzliche Entscheidung, das Hamannstift zu verkaufen, die kann man kritisieren.“ Thomas Strehl, Mitglied im Stiftsrat der Studierenden, sieht das anders: „Das Hamannstift hätte erhalten werden können, wenn die Landeskirche auf etwa 400.000 Euro verzichtet hätte.“ Denn auf diese Summe belaufe sich die Differenz des Kaufpreises zu dem Angebot eines anderen Interessenten, der bereit war, das Hamannstift zum Teil als Wohnheim zu erhalten. Folgenlos blieb der Aufruf der Studierenden bei der Herbstsynode 2005: „Nehmt das Geld und gebt dem Stift eine Chance“.

Nachdem die befürchtete Schließung am 23. Januar Gewissheit wurde, beginnt jetzt die Suche nach einer neuen Bleibe. Und die gestaltet sich nicht leicht. „Es gab bis jetzt keine Wohnung, die sich nicht vor oder nach mir mindestens ein weiterer Hamann-Stiftler angesehen hat“, erzählt Sören Hustadt. Er ist im Oktober des letzten Jahres eingezogen. „Natürlich bin ich darauf hingewiesen worden, dass das Hamannstift vielleicht geschlossen wird“, erklärt er,  „aber man hat ja gehofft.“ Studieninspektor Prof. Dr. Christian Peters unterstützt die Studierenden, indem er Empfehlungsschreiben ausstellt. Er ist froh, dass vier von ihnen im benachbarten Wohnheim der ESG unterkommen: zwei Bewohner mit Behinderungen und zwei Stipendiaten. Auch für die Verwaltungskräfte sind bereits neue Arbeitsplätze gefunden worden.

In ihrer Sorge um das Bestehen des Wohnheims sind die Hamann-Stiftler umso mehr zusammen gerückt. Neben der wöchentlichen Andacht am Donnerstagabend gab es jeden Dienstag das „Beten für`s Hamannstift“. Aktivitäten wie Semesterfrühstück, Soirée und Hausfest fanden wie gewohnt statt. Senior Michael Kusch betont: „Wir haben uns Mühe gegeben, dass dieses letzte Semester noch ein schönes wird.“ Schließlich ist das Hamannstift nicht nur ein Wohnheim, sondern ein Haus, indem eine besondere Gemeinschaft lebendig ist. Das ist der Grund, weshalb Sören Hustadt über sein einziges Semester im Hamannstift sagt: „Es hat sich trotzdem gelohnt.“ Ende März soll in Münster mit allen Ehemaligen und Freunden des Hamannstifts angemessen Abschied gefeiert werden.
 

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